Uni Bayreuth
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Staunend über die Menschen philosophieren
  • Die künftigen Menschen
  • Sie werden Kraft und Zartheit sein.
    Sie werden die eiserne Maske der Wissenschaft zerbrechen,
    um die Seele auf dem Antlitz des Wissens sichtbar zu machen

    Immer erwarten sie den unerwarteten Gast
    Und haben für ihn gedeckt
    Den Tisch und auch ihr Herz

    Möget ihr ihnen ähnlich sein.
  • –  Attila József, übersetzt von Stephan Hermlin.
Wie reden vom Menschen, von den Menschen? Denen, die da sind, die da waren und jenen, die künftig da sein werden? Redeweisen sind viele. Wie ist das Reden angemessen möglich? Die poetische Redeweise des Ungarn Attila József (1905–1937) ist eine mögliche. Ist sie angemessen? Und was heißt angemessen? Wie und woher gewinnen wir einen Begriff der angemessenen Rede vom Menschen, von den Menschen, in die wir uns beim Reden – das immer auch ein Zeigen ist: »Ecce homo« – immer einschließen müssen?
Anthropologie heißt die wissenschaftliche Rede vom Menschen. Wie ist sie angemessen möglich? Und warum ist sie nötig?
  • »1) Was kann ich wissen? 2) Was soll ich thun? 3) Was darf ich hoffen? 4) Was ist der Mensch? Die erste Frage beantwortet die Metaphysik, die zweite die Moral, die dritte die Religion und die vierte die Anthropologie. Im Grunde könnte man aber alles dieses zur Anthropologie rechnen, weil sich die drei ersten Fragen auf die letzte beziehen.«
  • –  Immanuel Kant: »Logik. Ein Handbuch zu Vorlesungen«. 1923, S. 25.
Lassen sich die fundamentalen Fragen der Menschen auf die eine nach dem Menschen zusammenziehen und lässt sich die Frage dann noch beantworten? Können wir sie überhaupt beantworten, so wie wir andere Gegenstände unserer theoretischen Neugier und praktischen Handlungsnotwendigkeit beantworten?
Die Reihe der Fragen deutet den Modus der Arbeitsweise an: Es geht darum, die Rede von den Menschen offenzuhalten und nach erschließenden Fragen zu suchen. Jede Rede von den Menschen, und gäbe sie sich noch so deskriptiv, hat ihre normativen Implikationen, ohne geht es nicht. Solche Normativität darstellbar, kritisierbar und diskutierbar zu machen, ist ein Ziel der hier praktizierten Anthropologie.
Das geschieht im interdisziplinären Dialog und mit dem Ziel, das vorhandene Vokabular der Anthropologie durch- und nachzubuchstabieren und zu einem eigenen Verstehen und Reden anzuleiten. Vokabeln wie Leib, Gefühl, Seele, Krankheit, Lust, Hoffnung, Sünde, Vertrauen werden Themen von Lehrveranstaltungen, Forschungsprojekten und Publikationen sein.
 
Attila Jószef und Immanuel Kant
Nachdenken über den
Menschen
Der Lyriker Attila József
(1905–1937) und der
Philosoph Immanuel Kant
(1724–1804).